HEV Newsletter 2015/1

Limmattalbahn – Nein

Am 22. November 2015 wird über die Kreditvorlage für die Limmattalbahn abgestimmt. Der Vorstand hat sich bisher stets dafür eingesetzt, dass die Wohn- und Lebensqualität wie auch der Verkehrsfluss durch die Bahn in Schlieren nicht beeinträchtigt werden. Verschiedene kleinere Anliegen sind in der Planung berücksichtigt worden. Das Projekt steht nun fest.

Der HEV Schlieren hat den Zweck das private Grundeigentum zu schützen und die Interessen der Haus-, Grund- und Stockwerkeigentümer zu wahren. Insbesondere soll er jede Tendenz bekämpfen, die das Grundeigentum in unbilliger und schädigender Weise belastet oder schmälert und Stellung nehmen zu Vorlagen, die das private Grundeigentum –vorwiegend auf Gemeindeebene– berühren. Diesen Zweck haben wir mit unseren bisherigen Eingaben für Projekt-Verbesserungen verfolgt. Mit dem nun zur Urnenabstimmung vorliegenden Projekt ist eine Gesamtbetrachtung für den Schlieremer Abschnitt vorzunehmen.

Der Vorstand ist sich bewusst, dass diese Limmattalbahn Vor- und Nachteile hat und eine Anzahl Vereinsmitglieder die Bahn befürworten, andere die Bahn ablehnen. Das Bahnprojekt ist auch mit wünschbaren Strassenprojekten verknüpft.

Unter Berücksichtigung vieler Aspekte hat sich der Vorstand entschieden, unseren Mitgliedern die Ablehnung des Kredites für die Limmattalbahn zu empfehlen.

Welches sind aus unserer Sicht die wesentlichen Aspekte für eine Ablehnung:
  • An der Spitalstrasse belasten künftig Bahn und Strassenverkehr die Grundeigentümer in übermässiger Weise. Nach § 3 der Gemeindeordnung hat die Stadt Schlieren unter anderem die Lebensqualität zu fördern. Im Leitbild 2014-2018 will der Stadtrat unter dem Titel „Stadtidee“ die Stadtentwicklung auf dem eingeschlagenen Weg weiterführen um die Lebensqualität zu erhalten und zu stärken. Wer in seinem Wohnbereich von Beeinträchtigungen geschützt ist und sich an seinem Wohnort wohl fühlt, wird dies als Lebensqualität bezeichnen. Mit dem „Projekt Schlieren Südwest“, wozu auch die Spitalstrasse gehört, will die Stadt Schlieren unter anderem auch die Lebensqualität fördern (dieses Projekt soll nach dem Willen des Stadtrates neu auf das ganze Stadtgebiet ausgedehnt werden). Sind die Begriffe der Lebensqualität nur „Worthülsen“ des Stadtrates? Schon seit 14 Jahren ist das Postulat von Marianne Habegger über verkehrsberuhigende Massnahmen an der Spitalstrasse hängig und der Stadtrat hat es bis heute nicht geschafft, eine gute Lösung zu finden. Die Limmattalbahn wird die Lebensqualität an der Spitalstrasse durch die Verbreiterung des Strassenraums noch weiter beeinträchtigen. Auch wenn sich der Querschnitt der Verkehrsfläche gegenüber dem 1. Projekt leicht reduziert, werden durch die Spitalstrasse zwei Spuren der Limmattalbahn und zwei Autospuren geführt und die Grünstreifen bei den Grundstücken werden stark vermindert. Das ist für die Anwohner eine deutliche Verschlechterung und schmälert auch die Grundstückswerte. Es ist bedauerlich und wenig beispielhaft, wenn der Stadtrat sich im Bereich Spitalstrasse erst auf Druck des Parlamentes und eher widerwillig für Verbesserungen eingesetzt hat und sich zulasten der rund 400 Einwohner mit einer nur geringfügig verbesserten Variante zufrieden gibt. Auch bestehen Zweifel, ob der „runde Tisch“ tatsächlich mehrheitlich der nun präsentierten Lösung für die Spitalstrasse zugestimmt hat. Auf die von den Anwohnern der Spitalstrasse eingebrachte bessere Lösung für einen einspurigen Kreisel Spitalstrasse/Schönen-werdstrasse/Bundentalstrasse wurde bisher nicht vertieft eingegangen. Die Anwohner der Spitalstrasse fühlen sich nicht ernst genommen, wenn sie u.a. vom Stadtpräsidenten von Schlieren, als „kleine Anzahl Gegner mit Angst vor Veränderungen, Verhinderung von Urbanisierungsprozessen und der Verfolgung von Einzelinteressen“ bezeichnet werden. Der Stadtrat unterstützt damit auch das unfair empfundene Verhalten der Organe der Limmattalbahn AG bei den Verhandlungen mit den Eigentümern an der Spitalstrasse.
  • Mit der Bahn wird der Verkehrsfluss des individuellen Verkehrs beeinträchtigt
  • Im Zentrum ist vorgesehen, mit Lichtsignalen oder Barrieren die ungehinderte Durchfahrt der Limmattalbahn und des Trams 2 zu sichern. Rund alle 7 bis 8 Minuten wird das Tram 2 und alle 15 Minuten die Limmattalbahn von beiden Richtungen den Stadtplatz im Zentrum überqueren und den Verkehrsfluss auf der geplanten einspurigen Strasse blockieren und unweigerlich Staus verursachen.
  • In Mülligen: Im aufgelegten Projekt ist noch nicht vorgesehen, dass die Bewohner des Quartiers Mülligen auf der Höhe der Th. Willy AG wieder einen Einlenker Richtung Zürich erhalten. Wenn dieser Einlenker nicht realisiert wird, müssen alle Fahrzeuge, die von Zürich her kommen, bis zur Gasometerbrücke und dann Richtung Zürich zurückfahren, um ins Quartier Mülligen zu gelangen.
  • Der Nutzen der Limmattalbahn ist für Schlieren gering – die Kosten sind hingegen hoch. Wie schreibt doch die Limmattalbahn auf ihrer Website: „Die Limmattalbahn holt diejenigen Gebiete ab, in denen die stärkste Entwicklung stattfinden.“ In Schlieren sind die grossen Neubaugebiete (ehemalige Industrieareale) entweder nahe dem Bahnhof Schlieren oder aber auf der Nordseite der Bahnlinie gelegen. Wer nach Zürich will, wird nicht die Limmattalbahn, sondern die S-Bahn nehmen, die auch im 15-Minutentakt fährt und in rund 10 Minuten am Hauptbahnhof ist. Mit dem bestehenden Bussystem ist Schlieren heute gut erschlossen. Schlieren braucht für seine Entwicklung die Limmattalbahn nicht. Der 15-Minutentakt der Limmattalbahn ist für verschiedene Gebiete gegenüber dem heutigen Busbetrieb mit kürzeren Intervallen ein Nachteil. Schlieren wird mit der Limmattalbahn und dem Tram Nr. 2 aus den Steuermitteln geschätzt bis gegen eine Million Franken zusätzlich an den Zürcher Verkehrsverbund leisten müssen. Man bedenke: Dies ist ähnlich hoch wie die Betriebskosten für den durch eine Volksinitiative gewünschten Ortsbus, den Stadtrat und Gemeinderat aus Kostengründen ablehnen. Schlussendlich fehlen auch verständliche und nachvollziehbare Zahlen über die künftige Anzahl von Nutzern für die Limmattalbahn und des Tram Nr. 2.

In die Entscheidungsfindung miteinbezogen werden sollte auch noch folgender neuer Aspekt:

Will Schlieren die hohe Verdichtung und neue Hochhausgebiete im grössten Teil der Baugebiete wegen der Limmattalbahn? Könnte es auch heissen: Wer die Verdichtung nicht will – lehnt die Limmattalbahn ab?

Die Planer und Politiker haben die Region Limmattal zum Wachstumsgebiet erklärt. Die Einwohner der Region sollen gemäss „Regionalem Richtplanentwurf Limmattal 2015“ von 86'600 (2014) auf 100'000 (2030) und die Zahl der Arbeitsplätze von 48'160 (2014) auf 53'740 (2030) wachsen. Das Wachstum im Limmattal soll zur Auslastung der Limmattalbahn in erster Linie in Dietikon und Schlieren in der Nähe des Verlaufes der Limmattalbahn stattfinden. Gemäss den Vorstellungen der regionalen Richtplaner soll dies in Schlieren durch Hochhäuser und Bauten mit hoher baulicher Dichte (4-5 Vollgeschosse mit einer Ausnutzungsziffer zwischen 80 und 110 % gegenüber heute 2-4 Vollgeschossen und einer Ausnutzungsziffer zwischen 40-80 %) in folgenden Gebieten erfolgen:

Im fett und rot gestreiften Gebiet sind Bauten mit hoher baulicher Verdichtung vorgesehen

Richtplan 1png

Im rot umrandeten Gebiet sind Hochhäuser vorgesehen

Richtplan 2png

Spontage Fragen dazu: Werden die Einfamilienhausquartiere am Heimeliweg, der Urdorferstrasse und der Guggsbühlstrasse verschwinden? Haben die vielen neuen Wohnungen der letzten Jahre in Bauten mit hoher baulicher Verdichtung die Einwohnerstruktur verbessert?

Zu diesen Themen können sich die Bewohner und Interessierten zu den beiden Stadtwerkstätten melden